FragFina Research

FragFina Flexibilitäts-Monitor 2026

Wie sich Zuzahlungen, Teilentnahmen und Vertragsoptionen fondsgebundener Nettopolicen seit 2023 verändert haben

Eine private Rentenversicherung läuft häufig mehrere Jahrzehnte. Umso wichtiger ist, dass sich ein Vertrag auch nach Abschluss an veränderte Lebenssituationen anpassen lässt. Der FragFina Flexibilitäts-Monitor untersucht, wie sich zentrale Gestaltungsmöglichkeiten fondsgebundener Nettopolicen seit 2023 entwickelt haben. Die Daten zeigen: Vor allem Teilentnahmen sind heute flexibler möglich. Andere Funktionen waren bereits zu Beginn der Zeitreihe weit verbreitet.

September 2026· FragFina Research ·Autor: Benjamin de Groot
9Anbieter im konstanten Panel
4Erhebungsjahre
−50 %Mindestbetrag Teilentnahme
8 von 9mindestens monatlicher Fondswechsel

Die wichtigsten Ergebnisse

Die Flexibilität fondsgebundener Nettopolicen hat sich zwischen 2023 und 2026 nicht in allen Bereichen gleichermaßen verändert. Die deutlichste Entwicklung zeigt sich bei Teilentnahmen.

Der Median des Mindestbetrags für eine Teilentnahme sinkt in der konstanten Vergleichsgruppe von neun Versicherern von 500 Euro im Jahr 2023 auf 250 Euro im Jahr 2026. Damit hat sich der typische Mindestbetrag halbiert.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Anbieter mit einer kostenfreien Teilentnahme von fünf auf sechs von neun. Bei Zuzahlungen fällt die Entwicklung geringer aus: Der mediane Mindestbetrag reduziert sich von 500 auf 300 Euro, während die Zahl der Anbieter mit kostenfreier Zuzahlung von drei auf vier steigt.

Bei der Anpassung der Kapitalanlage zeigt sich dagegen kaum eine Veränderung. Das liegt vor allem daran, dass die praktische Flexibilität bereits 2023 hoch war. Acht von neun dauerhaft untersuchten Gesellschaften ermöglichen über den gesamten Beobachtungszeitraum mindestens einen kostenfreien Fondswechsel pro Monat.

Bei neueren Vertragsfunktionen zeigt sich insbesondere beim Depotübertrag eine Entwicklung: 2025 war diese Möglichkeit bei sieben der neun Anbieter des konstanten Panels vorhanden, 2026 bei allen neun.

Grafik 1

Teilentnahmen werden flexibler

Median des Mindestbetrags für Teilentnahmen im konstanten Anbieterpanel.

Entwicklung des Mindestbetrags für Teilentnahmen bei Nettopolicen von 2023 bis 2026
Quelle: FragFina Research. Eigene Auswertung der FragFina Nettopolicen-Tests 2023–2026. Konstante Vergleichsgruppe von neun Anbietern.

Warum Flexibilität bei langfristiger Altersvorsorge wichtig ist

Private Rentenversicherungen werden häufig für Zeiträume von 30, 40 oder mehr Jahren abgeschlossen. Während dieser Zeit können sich Einkommen, Vermögen, familiäre Situation, persönliche Ziele und die gewünschte Anlagestrategie mehrfach verändern.

Ein Altersvorsorgevertrag sollte deshalb nicht nur zum Zeitpunkt des Abschlusses funktionieren. Relevant ist auch, welche Möglichkeiten während der Vertragslaufzeit bestehen, zusätzliches Kapital einzuzahlen, einen Teil des vorhandenen Guthabens zu entnehmen oder die Kapitalanlage anzupassen.

Sind fondsgebundene Nettopolicen heute tatsächlich flexibler als 2023 – und bei welchen Vertragsfunktionen zeigen sich praktisch relevante Veränderungen?

Datengrundlage und Untersuchungsdesign

Der FragFina Flexibilitäts-Monitor 2026 basiert auf den Nettopolicen-Tests der Jahre 2023, 2024, 2025 und 2026.

Für die historische Zeitreihe werden ausschließlich Merkmale miteinander verglichen, die über alle vier Jahre konsistent erhoben wurden.

KriteriumMindestbeitrag
KriteriumWechsel der Geldanlage
KriteriumMindestbetrag Teilentnahme
KriteriumKosten Teilentnahme
KriteriumMindestbetrag Zuzahlung
KriteriumKosten Zuzahlung

Keine Zeitreihe der Flexibilitätsnoten

Die Gesamtnoten der Kategorie Flexibilität werden bewusst nicht über die Jahre miteinander verglichen. Der Umfang der bewerteten Kriterien wurde im Untersuchungszeitraum erweitert.

Rebalancing, Ablaufmanagement und weitere Vertragsfunktionen kamen später hinzu. Ein Vergleich der Flexibilitätsnote 2023 mit der Note 2026 würde deshalb unterschiedliche Bewertungsgrundlagen miteinander vergleichen.

Konstante Vergleichsgruppe

Neun Anbieter sind über alle vier Jahre vergleichbar

Alte Leipziger; Continentale; Die Bayerische; ERGO; LV 1871; Münchener Verein; MyLife; PrismaLife; Volkswohl Bund

Wie Fondswechsel praktisch eingeordnet werden

Zwölf jährliche und unbegrenzte Fondswechsel werden gemeinsam betrachtet

Für die praktische Einordnung werden zwölf kostenfreie Fondswechsel pro Jahr und unbegrenzt viele kostenfreie Wechsel gemeinsam als „mindestens monatlicher kostenfreier Fondswechsel“ betrachtet.

Änderungen der Kapitalanlage werden bei langfristigen Rentenversicherungen typischerweise zu monatlichen Umsetzungsterminen durchgeführt. Der zusätzliche praktische Nutzen, innerhalb desselben Monats mehrfach einen Änderungsauftrag zu erteilen, ist daher gering.

Niedrigerer Mindestbetrag – aber kein einheitlicher Markttrend

Der mediane Mindestbetrag für zusätzliche Einzahlungen reduziert sich zwischen 2023 und 2026 von 500 auf 300 Euro.

Anders als bei den Teilentnahmen lässt sich daraus jedoch kein gleichmäßig breiter Markttrend ableiten. Bei einem Großteil der konstant untersuchten Gesellschaften haben sich die Mindestbeträge nur wenig oder gar nicht verändert.

Auch bei den Gebühren bleibt das Marktbild heterogen. Die Zahl der Tarife mit kostenfreier Zuzahlung steigt innerhalb des konstanten Panels von drei auf vier von neun.

Grafik 2

Zuzahlungen werden etwas zugänglicher

Median des Mindestbetrags für Zuzahlungen im konstanten Anbieterpanel.

Entwicklung des Mindestbetrags für Zuzahlungen bei Nettopolicen von 2023 bis 2026
Quelle: FragFina Research. Eigene Auswertung der FragFina Nettopolicen-Tests 2023–2026. Der Median wird teilweise von Veränderungen einzelner Tarife beeinflusst.

Hohe Flexibilität beim Fondswechsel war bereits 2023 vorhanden

Bei der Veränderung der Kapitalanlage zeigt sich über den Beobachtungszeitraum praktisch keine Entwicklung.

Acht von neun durchgehend untersuchten Gesellschaften ermöglichten bereits 2023 mindestens zwölf kostenfreie Fondswechsel pro Jahr oder unbegrenzt viele Wechsel.

2026 gilt dies weiterhin für acht von neun Anbietern.

Mindestens monatliche kostenfreie Fondswechsel waren bereits 2023 bei fast allen untersuchten Nettopolicen Standard.

Dass sich die Kennzahl über vier Jahre nicht verändert, ist daher nicht Ausdruck fehlender Flexibilität. Vielmehr war das Ausgangsniveau bereits hoch.

Grafik 3

Monatlicher Fondswechsel bereits seit 2023 Standard

Anbieter mit mindestens monatlichem, kostenfreiem Fondswechsel im konstanten Panel.

Anzahl der Anbieter mit mindestens monatlichem kostenfreien Fondswechsel von 2023 bis 2026
Quelle: FragFina Research. Zwölf kostenfreie Wechsel pro Jahr und unbegrenzt viele Wechsel werden aufgrund der praktischen Umsetzung gemeinsam betrachtet.

Bei Teilentnahmen zeigen sich deutliche Anbieterunterschiede

Der Rückgang des Medians von 500 auf 250 Euro bedeutet nicht, dass sämtliche Anbieter ihre Bedingungen gleichermaßen verändert haben.

Einige Gesellschaften haben ihre Mindestbeträge deutlich reduziert, während bei einem großen Teil des Marktes keine Veränderung zu beobachten ist.

Anbieter 2023 2026 Veränderung
Münchener Verein 1.000 € 200 € −800 €
Continentale 1.000 € 250 € −750 €
Die Bayerische 500 € 0 € −500 €
Alte Leipziger 500 € 500 € 0 €
LV 1871 200 € 200 € 0 €
Volkswohl Bund 500 € 500 € 0 €
ERGO 500 € 500 € 0 €
MyLife 1.000 € 1.000 € 0 €
PrismaLife 0 € 250 € +250 €
Der Median beschreibt das typische Marktniveau

Die Halbierung des Medians wird vor allem durch deutliche Veränderungen einzelner Anbieter verursacht. Sie ist nicht gleichbedeutend mit einer Halbierung der Mindestbeträge bei sämtlichen untersuchten Tarifen.

Grafik 4

Mindestbetrag für Teilentnahmen: 2023 vs. 2026

Vergleich der neun durchgehend untersuchten Anbieter.

Vergleich der Mindestbeträge für Teilentnahmen nach Anbieter zwischen 2023 und 2026
Quelle: FragFina Research. Eigene Auswertung der FragFina Nettopolicen-Tests 2023 und 2026.

Flexibilität umfasst heute mehr als Ein- und Auszahlungen

Mit der Weiterentwicklung fondsgebundener Rentenversicherungen haben zusätzliche Vertragsfunktionen an Bedeutung gewonnen.

Seit 2024 beziehungsweise 2025 erfassen die FragFina Nettopolicen-Tests deshalb unter anderem Rebalancing, Ablaufmanagement, fondsbasierte Auszahlungsphasen und die Möglichkeit eines Depotübertrags.

Rebalancing Automatische Wiederherstellung der gewünschten Fondsaufteilung.
Ablaufmanagement Möglichkeit einer schrittweisen Anpassung der Geldanlage vor dem Rentenbeginn.
Fondsbasierte Auszahlphase Das Kapital kann auch während der Auszahlphase weiter investiert bleiben.
Depotübertrag Fondsanteile können bei entsprechender Vertragsgestaltung auf ein Wertpapierdepot übertragen werden.

Depotübertrag zeigt die deutlichste Entwicklung

2025 war ein Depotübertrag bei sieben der neun Anbieter der konstanten Vergleichsgruppe vorgesehen.

Im Jahr 2026 sind es neun von neun.

Der Depotübertrag ist 2026 innerhalb des konstanten Panels erstmals flächendeckend verfügbar.
Grafik 5

Moderne Vertragsfunktionen sind weit verbreitet

Vergleich der ersten verfügbaren Erhebung mit 2026 im konstanten Anbieterpanel.

Verbreitung von Rebalancing Ablaufmanagement fondsbasierter Auszahlphase und Depotübertrag bei Nettopolicen
Quelle: FragFina Research. Neuere Flexibilitätskriterien wurden erst ab 2024 beziehungsweise 2025 erhoben und werden daher nicht rückwirkend für 2023 dargestellt.

Technische Vertragsflexibilität ist heute weit verbreitet

Für den aktuellen Markt-Snapshot werden alle elf Gesellschaften des FragFina Nettopolicen-Tests 2026 betrachtet.

Flexibilitätsmerkmal Anbieter 2026
Mindestens monatlicher Fondswechsel 10 von 11
Rebalancing 10 von 11
Ablaufmanagement 10 von 11
Depotübertrag 10 von 11
Fondsbasierte Auszahlphase 9 von 11
Kostenlose Teilentnahme 6 von 11
Kostenlose Zuzahlung 4 von 11

Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen technischen Vertragsfunktionen und direkten Geldbewegungen.

Funktionen wie Rebalancing, Ablaufmanagement und Depotübertrag sind bei einem Großteil des untersuchten Marktes vorhanden. Bei Zuzahlungen und Teilentnahmen unterscheiden sich die Bedingungen dagegen weiterhin deutlich stärker.

Technische Vertragsflexibilität ist 2026 meist Standard – bei Ein- und Auszahlungen unterscheiden sich die Bedingungen stärker.
Grafik 6

Wie flexibel ist der Markt 2026?

Aktueller Markt-Snapshot der elf im Nettopolicen-Test untersuchten Anbieter.

Verbreitung verschiedener Flexibilitätsfunktionen bei elf Nettopolicen-Anbietern 2026
Quelle: FragFina Research. Anzahl der Anbieter mit entsprechender Funktion von insgesamt elf untersuchten Gesellschaften.

Mehr Flexibilität bedeutet nicht automatisch einen besseren Tarif

Ein niedriger Mindestbetrag für eine Teilentnahme oder eine kostenfreie Zuzahlung kann die praktische Nutzung eines Vertrags erleichtern.

Ob ein bestimmtes Merkmal tatsächlich relevant ist, hängt jedoch von der persönlichen Nutzung ab.

Teilentnahmen Relevant für Kunden, die während der Vertragslaufzeit flexibel auf Teile des angesparten Kapitals zugreifen möchten.
Zuzahlungen Interessant für Kunden, die zusätzlich zum laufenden Beitrag größere Einmalbeträge investieren möchten.
Fondswechsel Ermöglichen die Anpassung der Kapitalanlage während der Vertragslaufzeit.
Depotübertrag Kann relevant sein, wenn Fondsanteile nach Vertragsende weiter gehalten werden sollen.

Warum wir keinen Flexibilitätsindex bilden

Der FragFina Flexibilitäts-Monitor bildet bewusst keinen Flexibilitätsindex.

Die untersuchten Vertragsfunktionen haben je nach Nutzung eine unterschiedliche praktische Bedeutung. Eine kostenfreie Zuzahlung, ein Depotübertrag oder ein niedriger Mindestbetrag für Teilentnahmen lassen sich deshalb nicht sinnvoll zu einer vermeintlich exakten Gesamtkennzahl verdichten.

Nettopolicen werden punktuell flexibler – vieles war bereits Standard

Die Entwicklung der Jahre 2023 bis 2026 zeigt kein einheitliches Bild einer kontinuierlich zunehmenden Flexibilität.

Bei einigen Vertragsfunktionen war bereits zu Beginn der Untersuchung ein hohes Niveau erreicht. Mindestens monatliche kostenfreie Fondswechsel waren beispielsweise 2023 bereits bei acht der neun durchgehend untersuchten Gesellschaften möglich.

Deutlicher ist die Entwicklung bei Teilentnahmen. Der mediane Mindestbetrag reduziert sich von 500 auf 250 Euro und hat sich damit innerhalb des Beobachtungszeitraums halbiert.

Bei Zuzahlungen sinkt der mediane Mindestbetrag ebenfalls, die Entwicklung ist jedoch weniger breit im Markt verteilt.

Neuere Vertragsfunktionen zeigen außerdem, dass Flexibilität heute weit über Einzahlungen, Auszahlungen und Fondswechsel hinausgeht. Insbesondere Rebalancing, Ablaufmanagement und Depotübertrag sind 2026 bei einem großen Teil des untersuchten Marktes verfügbar.

Fondsgebundene Nettopolicen sind 2026 vor allem bei der Kapitalanlage und Vertragsgestaltung sehr flexibel. Die deutlichsten messbaren Fortschritte seit 2023 zeigen sich bei Teilentnahmen und beim Depotübertrag.

Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass nicht jede theoretische Flexibilitätsdifferenz für Kunden auch praktisch relevant ist. Der Flexibilitäts-Monitor betrachtet Vertragsfunktionen deshalb bewusst unter dem Gesichtspunkt ihrer tatsächlichen Nutzbarkeit.

Was der Flexibilitäts-Monitor zeigt – und was nicht

Der Flexibilitäts-Monitor untersucht standardisierte Vertragsmerkmale und stellt kein Produktranking dar.

Mindestbeträge, Gebühren und Vertragsfunktionen können abhängig vom konkreten Tarif, der Vertragskonstellation und späteren Tarifänderungen unterschiedlich ausgestaltet sein.

Maßgeblich für einen konkreten Vertrag bleiben die jeweiligen Versicherungsbedingungen.

Die historischen Gesamtnoten der Kategorie Flexibilität sind aufgrund der Erweiterung des Kriterienkatalogs ausdrücklich nicht Bestandteil der Zeitreihenanalyse.

Autor Benjamin de Groot

FragFina Research

Datengrundlage der Untersuchung

Die ausgewerteten Vertragsmerkmale stammen aus den jährlichen FragFina Nettopolicen-Tests. Für den Flexibilitäts-Monitor wurden die dort erhobenen Daten der Jahre 2023 bis 2026 zusammengeführt und über die Zeit ausgewertet. Die Daten aus den Tests wiederum stammen aus den vertragsbedingungen der Versicherungen.

Für Medien & Fachredaktionen

Verwendung von Daten und Grafiken

Ergebnisse und Grafiken aus dem FragFina Flexibilitäts-Monitor 2026 können für redaktionelle Berichterstattung unter Angabe der Quelle „FragFina Research – Flexibilitäts-Monitor 2026“ verwendet werden.

Für Rückfragen zur Methodik, zusätzliche Daten oder fachliche Einordnungen stehen wir Redaktionen gerne zur Verfügung.

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