Warum brauche ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung?


Alles rund um die Berufsunfähigkeitsversicherung für Einsteiger einfach und verständlich erklärt
 
 

 
 


Warum braucht man eine Berufsunfähigkeitsversicherung? Welche Leistungen bekomme ich vom Staat? Wie hoch ist der finanzielle Schaden durch eine Berufsunfähigkeit?

Dieser Artikel widmet sich genau diesen Fragen und ist Teil unseres allgemeinen Ratgebers zum Thema Berufsunfähigkeistversicherung. Zum gesamten Ratgeber kommst du hier.

Benjamin de Groot

Finanzexperte


Aktualisiert am: 07.03.2019
 


Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt und für jeden relevant, der seinen Lebensunterhalt aus seinem Arbeitseinkommen bestreitet.

Deswegen ist es sehr wichtig, dass du dich mit diesem Thema und insbesondere mit der Frage auseinandersetzt, warum man eine Berufsunfähigkeitsversicherung braucht.

In diesem Ratgeber werden dir alle wichtigen Informationen an die Hand gegeben, damit du verstehst, warum eine Berufsunfähigkeitsversicherung so wichtig ist.

Warum braucht man eine Berufsunfähigkeitsversicherung?



Die meisten Menschen bestreiten Ihren Lebensunterhalt durch Ihre Arbeitskraft. Somit ist man darauf angewiesen arbeiten gehen zu können, damit monatlich Geld reinkommt. Das heißt im Umkehrschluss, dass die finanziellen Einbußen enorm sind, wenn man aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr arbeiten gehen kann.

Doch das allein ist noch kein Grund warum man eine Berufsunfähigkeitsversicherung benötigt. Wäre das Risiko berufsunfähig zu werden sehr gering, dann müsste man dieses Risiko nicht versichern. Oder bekäme man ausreichende Leistungen vom Staat, könnte man ebenfalls auf die Absicherung dieses Risikos verzichten.

Doch genau diese beiden Punkte sind nicht gegeben! Zum einen ist das Risiko berufsunfähig zu werden statistisch gesehen relativ hoch. Zum anderen ist die Leistung vom Staat im Fall der Fälle absolut nicht ausreichend.

Statistik: Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit bis zur Rente mit 65 nach Altersgruppen (jetziges Alter) | Statista

Wie wahrscheinlich ist es berufsunfähig zu werden?



Um einschätzen zu können ob man eine Berufsunfähigkeitsversicherung benötigt ist es wichtig zu wissen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist berufsunfähig zu werden.

Denn nur wenn die Wahrscheinlichkeit ausreichend hoch ist ergibt es Sinn sich zu versichern. Schauen wir uns hierfür einmal ein paar Zahlen an.

Laut der deutschen Rentenversicherung wird jeder 5. erwerbstätige im Laufe seines Arbeitslebens berufsunfähig.

Die Statistik der deutschen Aktuarvereinigung zeigt ein ähnliches Bild. Die Wahrscheinlichkeit für einen heute 20 jährigen Mann liegt bei 43% bis zum Alter 65 berufsunfähig zu werden.

Wahrscheinlichkeit von Berufsunfähigkeit nach Berufsgruppen?


Je nach Beruf unterscheidet sich das Risiko berufsunfähig zu werden. Die Wahrscheinlichkeit bei Berufen in denen man körperlich tätig ist, ist tendenziell höher als bei Bürojobs. Das ist auch der Grund weshalb eine Berufsunfähigkeitsversicherung für körperlich arbeitende Menschen teurer ist.

Allerdings sollten sich die Menschen in Bürojobs nicht zu früh freuen. Schaut man sich einmal an, was die häufigsten Gründe für Berufsunfähigkeit sind (Psyche, Krebserkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparats) erkennt man, dass dies alles Erkrankungen sind, die einen auch in einem Bürojob treffen können.

Berufsunfähig und woher bekomme ich Geld?


Ein wichtiger Punkt der sich ergibt, wenn man sich mit der Frage beschäftigt ob man eine Berufsunfähigkeitsversicherung braucht ist, woher bekomme ich eigentlich Geld wenn ich berufsunfähig werden sollte.

Um diesen Punkt zu verstehen sollte man sich zwei Bereiche anschauen. Das ist zum einen welche Leistungen man vom Staat im Falle einer Berufsunfähigkeit erhält. Zum anderen der finanzielle Verlauf im Falle einer Krankheit die zu einer Berufsunfähigkeit führt.

Leistungen vom Staat?


Bei den Leistungen vom Staat gab es im Jahr 2001 entscheidende Einschnitte durch eine Gesetzesänderung.

Im Rahmen der Gesetzesänderung wurde für alle nach dem 2. Januar 1962 geborenen die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente durch die Erwerbsminderungsrente ersetzt. Somit gibt es für nach 1962 geborene keine Leistungen vom Staat bei Berufsunfähigkeit. Aber auch für die vorher geborenen wurde die gesetzliche Leistung gesenkt und zwar um ungefähr 25%.

Unterschied zwischen berufsunfähig und erwerbsgemindert


Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.
Versicherte sind voll erwerbsgemindert, wenn sie wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allg. Arbeitsmarktes mind. drei Stunden (bei teilweiser Erwerbsminderung 6 Stunden) täglich erwerbstätig zu sein.
Bei Berufsunfähigkeit wird geprüft ob man seinen aktuellen Job noch ausführen kann. Bei Erwerbsminderung wird hingegen geschaut ob man noch irgendeinen Job ausführen kann. D.h. wenn man berufsunfähig ist, ist man nicht zwingend auch erwerbsgemindert. Die Wahrscheinlichkeit berufsunfähig zu werden ist viel höher, als die Wahrscheinlichkeit erwerbsgemindert zu sein. Dazu kommt das Problem, dass die Höhe der Erwerbsminderungsrente häufig nicht ausreichend ist um den aktuellen Lebensstandard zu finanzieren.

Berufsunfähig, wie ist der finanzielle Verlauf?


Schauen wir uns einmal am Beispiel eines angestellten und gesetzlich krankenversicherten an, wie der finanzielle Verlauf im Falle einer Berufsunfähigkeit ist.
  • Maximal 6 Wochen Lohnfortzahlung

    Im Krankheitsfall wird man in den meisten Fällen erst einmal krankgeschrieben und man bekommt eine Lohnfortzahlung. Im Normalfall ist die krankheitsbedingte Lohnfortzahlung auf 6 Wochen begrenzt und man erhält 100% seines Gehalts von seinem Arbeitgeber.
  • Maximal 78 Wochen Krankengeld

    Wenn die Krankschreibung über die 6 Wochen hinaus besteht kommt die Krankenversicherung ins Spiel. Ab diesem Zeitpunkt erhält man Krankengeld. Die Höhe des Krankengelds entspricht ungefähr 75% des Nettoeinkommens und wird für maximal 78 Wochen gezahlt.

    Zu beachten ist, dass die Krankenversicherung unter Umständen schon vor Ablauf der 78 Wochen prüfen lässt ob noch Ansprüche auf das Krankengeld bestehen oder eventuell schon früher Berufsunfähigkeit oder Erwerbsminderung vorliegt.
  • Nach 78 Wochen Erwerbsgemindert

    Was passiert nach 78 Wochen, wenn man immer noch krank ist? Sollte man tatsächlich erwerbsgemindert sein, also nicht mehr in der Lage sein irgendeinen Job auszuführen, erhält man ab diesem Zeitpunkt eine Erwerbsminderungsrente.

    Die Höhe der Erwerbsminderungsrente hängt von vielen Faktoren ab (Alter, Einkommen, etc.) und ob man voll oder teilweise erwerbsgemindert ist. Als Faustregel gilt bei voller Erwerbsminderung erhält man ca. die Hälfte seines bisherigen Nettogehalts, bei teilweiser Erwerbsminderung ca. ein Viertel des bisherigen Nettogehalts.

    Sollte jedoch keine Erwerbsminderung vorliegen sondern "nur" Berufsunfähigkeit, erhält man ab diesem Zeitpunkt keine weiteren Zahlungen mehr und ist auf Hartz 4 beziehungsweise andere Sozialleistungen angewiesen.

Wie hoch ist der finanzielle Schaden durch eine Berufsunfähigkeit?


Der finanzielle Schaden hängt von zwei Faktoren ab. Das sind zum einen das Gehalt und die zu erwartenden Gehaltssteigerungen und zum anderen die Dauer der Berufsunfähigkeit.

Hier einmal an einem Beispiel verdeutlicht. Wir unterstellen ein aktuelles jährliches Einkommen von 50.000€, ein durchschnittliche jährliche Gehaltssteigerung von 2% und eine Dauer der Berufsunfähigkeit, aufgrund einer schweren Erkrankung, von 25 Jahren.

In diesem Beispiel würde der finanzielle Schaden durch eine Berufsunfähigkeit bei ca. 1,6 Millionen Euro liegen.
 

 

Zusammenfassung


Die Antwort auf die Frage warum man eine Berufsunfähigkeitsversicherung braucht lässt sich wie folgt zusammenfassen.

Die statistische Wahrscheinlichkeit Berufsunfähig zu werden ist relativ hoch (nach der deutschen Rentenversicherung trifft es statistisch jeden fünften).

Die Leistungen vom Staat sind zu gering beziehungsweise gar nicht vorhanden und der mögliche finanzielle Schaden ist so hoch, dass man diesen im Normalfall nicht aus seinen Ersparnissen zahlen kann.

Somit sollte jeder der seinen Lebensunterhalt aus seinem Arbeitseinkommen erwirtschaftet sich gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit versichern.


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Quellenangabe


Autor: Benjamin de Groot

Focus: Berufsunfähigkeitsversicherung das unterschätzte Risiko, https://www.focus.de, (Abruf 03.2019)

GDV: Psy­chi­sche Erkran­kun­gen häu­figste Ursa­che für Berufs­un­fä­hig­keit, https://www.gdv.de/ (Stand 2016)

Statista: Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit bis zur Rente mit 65 nach Altersgruppen, https://de.statista.com, (Abruf 03.2019)