Sequence-of-Returns-Risk Rechner: Entnahmerisiko berechnen
Was zeigt dir der Sequence-of-Returns-Rechner?
Der Rechner untersucht eine Frage, die in der Auszahlungsphase leicht unterschätzt wird: Wie lange reicht ein vorhandenes Kapital, wenn regelmäßig Geld entnommen wird und die Kapitalmarktrenditen nicht gleichmäßig verlaufen?
Bei einer langfristigen Geldanlage wird häufig mit einer durchschnittlichen Rendite gerechnet. Für den Vermögensaufbau kann eine solche Durchschnittsannahme als vereinfachte Orientierung sinnvoll sein. Sobald jedoch regelmäßig Geld aus dem Depot entnommen wird, reicht der Durchschnitt allein nicht mehr aus. Entscheidend ist zusätzlich, in welcher Reihenfolge Gewinne und Verluste auftreten.
Genau dieses Risiko wird als Sequence-of-Returns-Risk bezeichnet – auf Deutsch vereinfacht das Risiko der Renditereihenfolge. Der Rechner macht diesen Effekt auf drei Arten sichtbar: durch eine gezielte Veränderung der Renditereihenfolge, durch historische Marktphasen und durch 1.000 modellhafte Kapitalmarktverläufe.
1. Warum reicht eine durchschnittliche Rendite in der Auszahlungsphase nicht?
Angenommen, zwei Kapitalmarktverläufe enthalten über viele Jahre exakt dieselben Jahresrenditen. Ohne Ein- oder Auszahlungen führt eine bloße Veränderung ihrer Reihenfolge zum gleichen Endwert: Die positiven und negativen Renditen werden lediglich in einer anderen Reihenfolge miteinander verknüpft.
Bei regelmäßigen Entnahmen ändert sich das. Fällt das Depot zu Beginn stark, werden gleichzeitig Anteile verkauft, um die laufende Auszahlung zu finanzieren. Dieses entnommene Kapital steht für eine spätere Markterholung nicht mehr zur Verfügung. Ein vergleichbarer Rückgang viele Jahre später kann deshalb wesentlich weniger problematisch sein.
2. Welche Grunddaten benötigt der Rechner?
Kapital zu Beginn der Entnahme
Das ist das Vermögen, das zum Start der Auszahlungsphase für die weitere Anlage und die regelmäßigen Entnahmen zur Verfügung steht.
Alter zum Start der Entnahme
Das Startalter beeinflusst nicht die Kapitalmarktberechnung selbst. Es wird verwendet, um die Laufzeit und die Ergebnisse im Diagramm als Alter statt nur als abstrakte Jahreszahl darzustellen.
Monatlicher Entnahmebetrag
Der Betrag wird jeden Monat aus dem vorhandenen Kapital entnommen. Daraus lässt sich gleichzeitig die anfängliche Entnahmerate ableiten.
Wie lange soll das Kapital reichen?
Mit der gewünschten Auszahlungsdauer legst du fest, wie lange der Rechner die Entnahme simuliert. Wird das Kapital vorher vollständig aufgebraucht, zeigt der Rechner den ungefähren Zeitpunkt beziehungsweise das entsprechende Alter.
Jährliche Erhöhung des Entnahmebetrags
Optional kann die monatliche Auszahlung jedes Jahr angehoben werden. Damit lässt sich beispielsweise ein vereinfachter Kaufkraftausgleich modellieren. Eine Einstellung von 2 % bedeutet nicht, dass die tatsächliche Inflation 2 % betragen wird lediglich der geplante Entnahmebetrag steigt jährlich um diesen Wert.
3. Gleiche Renditen – andere Reihenfolge
Diese Variante ist der einfachste Einstieg in den Sequence-of-Returns-Risk. Der Rechner erzeugt für die gewählte Laufzeit eine modellhafte Folge schwankender Jahresrenditen. Dieselben Jahresrenditen werden anschließend unterschiedlich angeordnet. Durchschnittsrendite und zugrunde liegende Renditewerte bleiben damit gleich.
Verglichen werden eine gleichmäßige Durchschnittsrendite, ein Verlauf mit tendenziell günstigeren Jahren am Anfang und ein Verlauf mit tendenziell ungünstigeren Jahren am Anfang. Optional kann zusätzlich eine zufällige Reihenfolge eingeblendet werden.
Wenn du verstehen möchtest, warum eine reine Durchschnittsrechnung in der Auszahlungsphase zu kurz greift. Sie isoliert den Reihenfolge-Effekt bewusst stärker als eine reale historische Betrachtung.
Für die modellierten Renditen stehen drei vereinfachte Anlageprofile zur Verfügung: defensiv mit 3,0 % angenommener Rendite und 6,0 % Schwankung, ausgewogen mit 4,5 % und 10,0 % sowie aktienorientiert mit 6,0 % und 15,0 %. Alternativ können eigene Annahmen verwendet werden.
4. Historische Marktphasen: Was wäre bei realen Startzeitpunkten passiert?
Die historische Variante verwendet keine neu erzeugten Renditen. Stattdessen wird die gewählte Auszahlungsdauer durch alle im Rechner verfügbaren historischen Startzeiträume geschoben. Bei 30 Jahren Laufzeit wird beispielsweise jeder vollständige 30-Jahres-Zeitraum innerhalb der vorhandenen Historie einzeln berechnet.
Dadurch entstehen viele reale Startzeitpunkte mit identischem Startkapital und identischem Entnahmeplan. Der Rechner zeigt daraus unter anderem den ungünstigsten, einen mittleren und den günstigsten historischen Verlauf sowie den Anteil der Zeiträume, in denen das Kapital über die gesamte gewählte Dauer gereicht hätte.
Welche historischen Anlagestrukturen stehen zur Auswahl?
| Anlagestruktur | Zusammensetzung | Wofür geeignet? |
|---|---|---|
| Defensiv | 30 % MSCI World / 70 % REXP | Historischer Vergleich mit deutlich reduziertem Aktienanteil. |
| Ausgewogen | 60 % MSCI World / 40 % REXP | Mittelweg zwischen Renditechancen und geringeren Schwankungen. |
| Aktienorientiert | 100 % MSCI World | Vergleich für eine vollständig weltweite Aktienanlage. |
| US-Aktien | 100 % S&P 500 | Zusätzlicher, stärker auf den US-Aktienmarkt konzentrierter Vergleich. |
Bei den gemischten Modellportfolios wird die Zielaufteilung zu Beginn jedes Kalenderjahres wiederhergestellt. Für ein 60/40-Portfolio wird die historische Jahresrendite deshalb aus 60 % Aktienrendite und 40 % Anleihenrendite gebildet.
Wenn du sehen möchtest, wie eine geplante Entnahme in tatsächlich beobachteten Marktphasen funktioniert hätte. Sie ist besonders anschaulich, bildet aber nur die Vergangenheit und keine unbekannten zukünftigen Marktverläufe ab.
5. Monte-Carlo-Simulation: Warum 1.000 unterschiedliche Verläufe?
Ein einzelner modellierter oder historischer Verlauf kann immer nur ein Szenario zeigen. In der Monte-Carlo-Variante werden deshalb 1.000 unterschiedliche Kapitalmarktverläufe erzeugt. Grundlage sind die gewählte erwartete Rendite und die angenommene Schwankung.
Bei identischen Eingaben verwendet der Rechner reproduzierbare Simulationen. Dadurch verändern sich die Ergebnisse nicht einfach bei jedem neuen Klick und unterschiedliche Einstellungen lassen sich besser miteinander vergleichen.
Für jedes Alter beziehungsweise jedes Simulationsjahr werden anschließend alle 1.000 Kapitalstände sortiert. Dargestellt werden das 10. Perzentil, der Median und das 90. Perzentil.
Wenn du nicht nur einzelne Verläufe betrachten, sondern die mögliche Bandbreite unter bestimmten Modellannahmen untersuchen möchtest. Sie eignet sich besonders, um unterschiedliche Anlageprofile, Entnahmehöhen und zusätzliche Stressphasen miteinander zu vergleichen.
6. Was zeigen die zusätzlichen Stressphasen?
Die normale Monte-Carlo-Simulation enthält bereits schwankende Renditen. Zusätzlich können gezielt besonders schwache Jahre eingebaut werden. Damit lässt sich prüfen, wie empfindlich ein Entnahmeplan auf eine außergewöhnlich starke Krise zu einem bestimmten Zeitpunkt reagiert.
Du kannst entweder eine Stressphase oder zwei Stressphasen während der Auszahlungsdauer festlegen. Für jede Stressphase werden Zeitpunkt und Jahresrendite vorgegeben. Im betreffenden Jahr ersetzt diese Rendite die normalerweise simulierten Monatsrenditen.
Gerade der Vergleich zwischen einem starken Einbruch direkt zu Beginn und demselben Einbruch viele Jahre später macht den Sequence-of-Returns-Risk besonders anschaulich.
7. Wie solltest du die Ergebnisse lesen?
Entnahmerate im ersten Jahr
Die anfängliche Entnahmerate setzt die geplante Jahresauszahlung ins Verhältnis zum vorhandenen Startkapital. Sie ist eine hilfreiche Vergleichsgröße, aber allein noch keine Aussage darüber, ob die Entnahme langfristig tragfähig ist.
Kapital reicht über den gesamten Zeitraum
In der historischen und in der Monte-Carlo-Betrachtung zeigt diese Kennzahl, in welchem Anteil der untersuchten Zeiträume beziehungsweise Simulationen das Kapital bis zum Ende der gewünschten Auszahlungsdauer positiv geblieben ist.
Restkapital
Ist am Ende noch Kapital vorhanden, wird dieses als Restkapital ausgewiesen. Ein höheres Restkapital bedeutet nicht automatisch, dass die gewählte Entnahmestrategie besser ist. Schließlich können auch unterschiedliche Ziele für die gewünschte Auszahlung oder für ein verbleibendes Vermögen bestehen.
Zeitpunkt, an dem das Kapital aufgebraucht ist
Reicht das Kapital nicht über die gesamte Laufzeit, zeigt der Rechner ungefähr, bis zu welchem Alter beziehungsweise bis zu welchem Zeitpunkt die Entnahme möglich gewesen wäre.
Diagramme
Die Graphen zeigen die Entwicklung des verbleibenden Vermögens. Die deutlich sichtbare Nulllinie ist besonders wichtig: Sobald ein Verlauf sie erreicht, ist aus dem modellierten Kapitalstock keine weitere Entnahme mehr möglich.
8. Wie rechnet der Rechner?
Die Berechnung erfolgt monatlich. Eine vorgegebene Jahresrendite wird deshalb zunächst in eine mathematisch konsistente Monatsrendite umgerechnet.
Innerhalb eines Monats wird zuerst die Rendite auf den vorhandenen Kapitalstand angewendet und anschließend der monatliche Entnahmebetrag abgezogen.
Ist eine jährliche Erhöhung der Entnahme eingestellt, steigt der monatliche Betrag nach jeweils zwölf Monaten.
Monte-Carlo-Modell
Für die Monte-Carlo-Simulation wird die annualisierte Schwankung auf Monatsbasis umgerechnet. Die monatlichen Renditen werden anschließend über ein lognormal aufgebautes Renditemodell erzeugt.
rt = exp(μm + σm × zt) − 1 ra = angenommene Jahresrendite, σa = annualisierte Schwankung, zt = standardnormalverteilter Zufallswert.
- Für jeden Monat wird eine Rendite erzeugt beziehungsweise aus der historischen Jahresrendite abgeleitet.
- Der vorhandene Kapitalstand wird mit dieser Monatsrendite fortgeschrieben.
- Danach wird der monatliche Entnahmebetrag abgezogen.
- Nach jeweils zwölf Monaten wird die Entnahme gegebenenfalls um die gewählte jährliche Steigerung erhöht.
- Erreicht das Kapital 0 €, bleibt es für den restlichen Verlauf bei 0 €.
9. Welche Annahmen und Grenzen hat der Rechner?
Der Rechner soll den Zusammenhang zwischen Kapitalmarktverlauf und laufenden Entnahmen verständlich machen. Er bildet deshalb nicht jede Besonderheit einer konkreten Geldanlage oder eines konkreten Ruhestandsplans ab.
Insbesondere werden Steuern, individuelle Produktkosten, Depot- oder Fondskosten und Tracking-Differenzen nicht separat berücksichtigt. In der historischen Betrachtung liegen Jahresrenditen vor; innerhalb eines Jahres wird deshalb eine konstante Monatsrendite aus dem Jahreswert abgeleitet. Tatsächliche unterjährige Schwankungen werden dort nicht rekonstruiert.
Auch die Monte-Carlo-Simulation ist ein mathematisches Modell. Reale Kapitalmärkte können stärkere Extrembewegungen, länger anhaltende Krisen, veränderte Schwankungsregime und andere statistische Eigenschaften zeigen als das verwendete Modell.
Die Begriffe „defensiv“, „ausgewogen“ und „aktienorientiert“ sind Modellbezeichnungen. Sie stellen keine individuelle Anlageempfehlung dar. Welche Risikostruktur zu einer konkreten Auszahlungsphase passt, hängt unter anderem von weiteren Einkünften, dem benötigten Entnahmebetrag, vorhandenen Reserven und der persönlichen Risikotoleranz ab.
Hinweis: Bei der Erstellung des Rechners wurd KI verwendet.
10. Welche historische Datenbasis verwendet der Rechner?
Für den historischen Vergleich enthält der Rechner Jahresrenditen von 1970 bis 2025. Die Aktienreihen werden aus Sicht eines Euro-Anlegers betrachtet.
- Weltaktien: MSCI World Gross Return in EUR. Für die neueren Jahre werden veröffentlichte EUR-Gross-Return-Werte verwendet; frühere Werte werden aus der hinterlegten USD-Reihe und historischen USD/EUR-Jahresendkursen abgeleitet.
- Anleihen: REXP (REX Performance). Der Performanceindex bildet die Wertentwicklung des REX-Anleiheportfolios einschließlich wiederangelegter Kuponzahlungen ab.
- US-Aktien: S&P 500 Total Return, für den Rechner ebenfalls aus Sicht eines Euro-Anlegers dargestellt.
- Gemischte Portfolios: 30/70 beziehungsweise 60/40 aus MSCI World und REXP mit jährlicher Rückkehr zur Zielgewichtung.
Historische Renditen sind keine Prognose für zukünftige Ergebnisse. Die verwendeten Reihen dienen als Vergleichsmuster für die Funktionsweise einer laufenden Entnahme.
